Abriss der Teufelsbrücke?
Aus der “Buschtrommel”, Zeitung für den Jungbusch 12.2008: Bewohnerschaft fordert Erhalt der Fußgängerverbindungen. Hafendirektor Roland Hörner war gemeinsam mit Michael Dietrich auf Einladung des Gemeinschaftszentrums Jungbusch persönlich in der Koordinierungskreis gekommen, um ein Vorhaben zu erläutern, das die Jungbuschbevölkerung sehr bewegt. „Das erhöhte Verkehrsaufkommen von und zum Handelshafen mit Fahrzeugstaus vor der Mühlaubrücke zwingt uns dazu, die Hubbrücke abzureißen und an dieser Stelle einen festen Damm zu errichten“, ließ der Chef der Hafengesellschaft (HGM) die ca. 30 anwesenden Stadtteilvertreter wissen. Vor allem der steigende Containerumschlag benötige eine separate Rechtsabbiegespur, die den Verkehrsfluss verbessern soll. Da in der Folge die Zufahrt in den Verbindungskanal nur noch über den Neckar möglich ist, bleibe nur als Lösung, die Teufelsbrücke einseitig abzubauen.
Roland Hörner: „Die Schiffsdurchfahrt wird für die Anlieferung von Kies zur Firma TBS gebraucht. Es kommen 2 bis 3 Schiffe pro Woche“.
Begeisterung löste diese Nachricht nicht aus. Ganz im Gegenteil, mit dem Verlust der Teufelsbrücke konnte sich die Bewohnerschaft so gar nicht anfreunden. „Die Teufelsbrücke gehört zum Jungbusch wie der Wasserturm zu Mannheim!“, bezog Norbert Herrmann klare Position. Dies konnte die Mannheimer Stadtkonservatorin gut nachvollziehen und versprach, die heute erhaltenen Informationen sorgfältig zu prüfen. Schließlich sei die 1874 gebaute Teufelsbrücke die älteste Brücke Mannheims. „Die Entscheidung gemäß Denkmalschutzgesetz müssen der Hafen und die Stadt einvernehmlich treffen“, so Dr. Ryll. Den Denkmalschutz werden wir erfüllen, versicherte der Hafenchef.
„Wie können unsere Kinder zukünftig sicher zur Schule kommen?“, fragte eine besorgte Mutter den Hafendirektor. Es sei zumutbar, wenn von drei Querungen über den Verbindungskanal eine wegfiele, entgegnete Hörner der Elternvertreterin Nezahat Yilmaz. „Wir müssten einen 7stelligen Betrag für die Sanierung der Teufelsbrücke aufbringen“. Da weitere Bewohner diesseits und jenseits des Hafenbeckens auf den Erhalt der wichtigen Fußgänger- und Radwegebeziehung drängten, versprach Hörner, in jedem Falle die Spatzen- und Neckarvorlandbrücke für diese Anwohner zu verbessern.
„Warum ist es nicht möglich, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen und die Öffnung der Brücke mit einem Fußgängerüberweg zu kombinieren?“, schlug schließlich Norman Achenbach vor, der wir andere Bewohner der Güterhallenstraße zur Erörterung gekommen war. Die technischen Probleme seien gewaltig, meinte der Hafenchef. Worauf Volker Böhn von der städtischen Verkehrsplanung ankündigte, gemeinsam mit Studenten Lösungen für eine bewegliche Fußgängerquerung prüfen zu wollen. 440 Passanten pro Tag hatte die Hafengesellschaft an einem Werktag zwischen 4 Uhr und 22 Uhr gezählt – Zahlen, die auch für den Stadtplaner neu waren.
Nach fast zwei Stunden schloss Michael Scheuermann die kontrovers, aber ausgesprochen sachlich ausgetragene Erörterung. Er bedankte sich für die frühzeitige Information durch die HGM. Gute Nachbarschaft verlangt von beiden Nachbarn gleichermaßen, sich in die Lage des jeweilig anderen zu versetzen, waren sich Hörner und der Quartiermanager einig. „Wir werden uns auch weiterhin für die Aufwertung im Jungbusch einsetzen, was das rechte Ufer des Kanals betrifft“, ließ der Hafenchef noch ganz am Schluss die Teilnehmer des Koordinierungskreis Jungbusch wissen.
MS
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